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Die Schweiz ist nicht Asyl-Europameisterin
Kolumne in www.suedostschweiz.ch, 18. November 2014

Die Schweiz ist attraktiv, für uns Schweizerinnen und Schweizer sowieso. Doch die stabile Wirtschaft, die Sicherheit und der allgemeine Wohlstand, die landschaftliche und kulturelle Vielfalt führen auch dazu, dass unser Land für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiv ist. Und schliesslich ist die Schweiz auch ein bevorzugtes Land für Asylsuchende. Stimmen von Rechts behaupten sogar, die Schweiz sei das Schlaraffenland Europas und nehme anteilmässig am meisten Asylsuchende auf.

Ist das tatsächlich so? Ein vertrauliches Dokument der EU, das die «NZZ am Sonntag» kürzlich publizierte, widerspricht diesen Aussagen. Pro Million Einwohnerinnen und Einwohner liegen Malta und Schweden deutlich vor der Schweiz, was die Anzahl Asylsuchender angeht. Nimmt man die Zahl an Schutzgewährungen zum Mass, also jene Asylsuchende, die vorläufig oder definitiv als Flüchtling anerkannt wurden, ist neben Malta und Schweden auch Norwegen stärker engagiert als die Schweiz. Interessant ist schliesslich die Statistik zum Kern des Dublin-Abkommens, also zur Möglichkeit, Asylsuchende in jenen Vertragsstaat abzuschieben, in dem sie zuerst eingereist waren und ihr erstes Asylgesuch gestellt hatten. Das Dublin-Abkommen wird seit einigen Monaten heftig kritisiert. Doch die Schweiz nutzt das Instrument wie kein anderes europäisches Land: 17'000 Asylsuchende oder rund 16 Prozent der Gesuchstellenden schoben die Schweizer Asylbehörden ab.

Die Statistiken zeigen: Die Schweiz ist kein Einzelfall, was die Aufnahme von Asylsuchenden angeht. Und sie weiss sehr wohl die Instrumente und Mechanismen des Dublin-Abkommens zu nutzen. Was in der EU-Statistik aber fehlt sind die Zahlen jener Flüchtlinge, die im Kriegs- oder Krisenland selbst auf der Flucht sind oder in die Nachbarländer geflohen sind. 6,5 Millionen Menschen sind beispielsweise in Syrien selbst auf der Flucht, Millionen harren in den Nachbarländern Libanon, der Türkei und Jordanien aus.

NatĂĽrlich ist es enorm wichtig, diesen Menschen in den dortigen FlĂĽchtlingslagern zu helfen. Doch wenn es ein paar tausend Syrierinnen und Syrier nach Europa und womöglich in die Schweiz schaffen, ist Solidarität gefragt. Denn wenn die mausarmen Nachbarländer Syriens es zustande bringen, Hundertausenden von FlĂĽchtlingen zu helfen, sollte auch die Schweiz es schaffen, den paar Tausend Asylsuchenden ein menschenwĂĽrdiges Leben zu ermöglichen.  
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