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Wer Strassen baut, wird Verkehr ernten
Kolumne in www.suedostschweiz.ch, 18. Mai 2014

Eins und eins ist zwei, das lernen Primarschulkinder schon in der ersten Rechnungsstunde. Doch eine Mehrheit des Schweizer Parlaments kann oder will diese Rechnung nicht nachvollziehen. Tatsächlich war in der Vergangenheit eins und eins überraschend häufig zwei, räumt man zwar unter der Bundeskuppel ein, wenn über die zweite Gotthardröhre debattiert wird. Doch das heisse noch lange nicht, dass das in der Zukunft auch so sein müsse. Schliesslich lebe man in der Schweiz, und hier werde das Volk in einer Abstimmung über das Resultat der Addition bestimmen.

Natürlich ist es kein Vergehen, vor der elementaren Logik die Augen zu verschliessen. Aber wer der Bevölkerung glauben machen will, man könne einen zweiten Gotthard-Strassentunnel bauen und diesen – nach der Sanierung des heutigen Tunnels – langfristig nur einspurig befahren lassen, hat entweder Mühe mit Mathematik oder ist unehrlich. Wenn ein Kind zwei Pralinen vor sich liegen hat, wird es kurzerhand beide vertilgen – so manche erwachsene Person übrigens auch. Wenn also den Autofahrerinnen und Autofahrern zwei komfortable Gotthardtunnels zur Verfügung stehen, wird es nur wenige Jahre gehen, bis diese Kapazitäten komplett und dauerhaft genutzt werden.

Wäre das so schlimm? Immerhin wäre es dann nicht mehr so, dass «bei der Fahrt durch den Gotthard das Unwohlsein mitfährt», wie die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli-Koller in der Ratsdebatte anführte. Ist uns das Unwohlsein all jener, die mal schnell übers Wochenende ins Tessin fahren, nicht die Mehrkosten von 1,4 Milliarden Franken wert?

Womöglich ist es tatsächlich etwas viel Geld, um das Unwohlsein einiger sessionsmĂĽden Politikerinnen zu bekämpfen. Vielleicht markiert die Diskussion um die zweite Gotthardröhre aber auch einfach einen Scheidepunkt der schweizerischen Verkehrspolitik: Die Zeiten, in denen dem Verkehr, ob individuell im Auto oder kollektiv in Bahn und Bus, immer mehr Raum zur VerfĂĽgung gestellt und Landschaft zum Frass vorgeworfen wurde, sind vorbei. Verkehr ist kein Naturphänomen, denn wer Strassen und Schienen baut, wird Mehrverkehr ernten. Es ist Zeit, dem Verkehrswachstum Grenzen zu setzen und unsere BedĂĽrfnisse nach Erholung und Freizeit intelligenter zu befriedigen.  
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Kolumne: Gotthardtunnel