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Leben wird für Forschung instrumentalisiert
St.Galler Tagblatt, 16. November 2004

Um was gehts eigentlich am 28. November? Fragt man die Befürworterinnen und Befürworter der Vorlage, reden sie von «Stammzellen». Hakt man nach, sind es «embryonale Stammzellen». Und blättert man in die parlamentarischen Beratungen zurück, liest man plötzlich, dass das Gesetz ursprünglich «Embryonenforschungsgesetz» hätte heissen sollen. Doch das war der Pharmaindustrie und ihrer bürgerlichen Lobby in Bern dann doch zu viel der Transparenz: «Stammzellenforschungsgesetz» heisst die Vorlage heute - und nur wenige Stimmberechtigte können sich darunter wirklich etwas vorstellen.

Tatsache ist: Es geht um die verbrauchende Forschung an Embryonen. Und zwar an jenen Embryonen, von denen man uns vor wenigen Jahren noch erklärt hat, es dürfe sie gar nicht geben. Jetzt plötzlich sind sie trotzdem da, die überzähligen Embryonen aus der künstlichen Befruchtung. Und statt sie dem natürlichen Tod zu überlassen, sollen sie - wie praktisch - als Rohstoff für die Forschung genutzt werden.

Ethik geht uns alle an
Gibt es überhaupt ein «linksgrünes Nein» gegen die Embryonenforschung? Ethik, so meine ich, ist weder politisch links noch rechts. Ethik geht uns alle an. Und wenn man sich empört, wenn Leben, das für das Heranwachsen eines Menschen erzeugt wurde, plötzlich für die Forschung instrumentalisiert wird, ist man keine Ewiggestrige. Im Gegenteil: Ich behaupte, es ist die jetzige Opposition gegen die Embryonenforschung - neben den Lebensrechts-Verbänden auch die Grünen, EVP, der Basler Appell gegen Gentechnologie sowie Teile von SP und CVP - die in die Zukunft schauen. In eine Zukunft, in welcher der nächste Schritt, das therapeutische Klonen, bereits programmiert ist. Selbstverständlich wenden sich die Befürworterinnen und Befürworter der Embryonenforschung heute lauthals dagegen. Doch in fünf Jahren kann viel passieren. Auf Plakaten wirbt jetzt die Pharmaindustrie einmal mehr mit Heilsversprechen. Das Rezept ist alt: Wer heute nicht ja sagt, erhält morgen keine Therapie für seine unheilbare Krankheit. Oder ist es womöglich übermorgen? Oder am Sankt-Nimmerleins-Tag? Um die Gen-Therapie etwa, die in den Neunzigerjahren hochgelobt wurde, ist es in letzter Zeit überraschend still geworden. Und die ominöse genmanipulierte Krebsmaus, die von der Chemie als unverzichtbares Modell für die Beobachtung unserer Krankheiten angepriesen wurde, wurde ein Flop.

Ein Signal geben
Die Bürgerlichen, darunter überraschend auch die CVP, warnen schliesslich davor, die Embryonenforschung werde im Ausland so oder so gemacht. Darf dies für uns ein Grund sein, es gleich zu tun? Ich meine nein. Wir haben die Möglichkeit, diese unethische Forschung bei uns in der Schweiz zu stoppen und damit auch ein Signal zu geben. Tun wir es! Was wir brauchen, sind nicht immer neue Technologien im hochgerüsteten Gesundheitswesen. Nötig wäre, vermehrt nach den tatsächlichen Gründen vieler Krankheiten zu suchen. Am 28. November stelle ich dem technokratischen Weltbild ein humanes gegenüber - ein Weltbild, in dem die Forschung an Embryonen keinen Platz hat.


Redaktion St.Galler Tagblatt:
Embryonale Stammzellen
Am 28. November stimmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über ein Gesetz ab, gegen das sowohl linksgrüne als auch konservativ-religiöse Parteien und Organisationen das Referendum ergriffen haben. Das Stammzellenforschungsgesetz regelt auf sehr restriktive Weise die Forschung an embryonalen Stammzellen. Davon erhoffen sich die Befürworter und Befürworterinnen grosse Möglichkeiten für das Verständnis und die Therapie bisher unheilbarer Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Diabetes. Denn embryonale Stammzellen können sich im Gegensatz zu adulten (erwachsenen) Stammzellen noch in die verschiedensten Zelltypen entwickeln. Auf diese Weise könnten Gewebe, Zellen und vielleicht ganze Organe regeneriert werden. Doch die Gegnerinnen und Gegner des Gesetzes haben ethische Bedenken: Mit der Forschung an überzähligen Embryonen aus der künstlichen Befruchtung werde menschliches Leben instrumentalisiert. Das tangiere die Würde des Menschen, die auch Embryonen zustehe. Zudem befürchten sie Missbrauch bei dieser «verbrauchenden» Forschung. Nationalrätin Pia Hollenstein (Grüne/SG) plädiert dafür, die Forschung an Embryonen zu verbieten und damit ein Zeichen zu setzen für ein humanes Weltbild in der Medizin. Nationalrat Franco Cavalli (SP/TI) fragt hingegen: Ist es ethischer, diese überzähligen Embryonen einfach absterben zu lassen oder mit ihnen eine viel versprechende Forschung zu erlauben, die Menschen mit bisher unheilbaren Krankheiten helfen könnte?  
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