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Nationalrätin Pia Hollenstein tritt zurück
St. Galler Tagblatt, Montag, 27. März 2006

Gestern kündigte die grüne St. Galler Nationalrätin Pia Hollenstein ihren Rücktritt an. Auf ihrem Platz in der grossen Kammer sitzt ab dem 1. Juni 2006 Urs Bernhardsgrütter aus dem Linthgebiet.

Weitere Informationen über ihren Rücktritt kündigte Hollenstein für eine Medienkonferenz von heute Montagmorgen an. Sie mache eine Weiterbildung, sagte sie aber gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Daneben stehe sie noch im Berufsleben, und ein Nationalratsmandat sei bekanntlich sehr zeitaufwendig. Die 55-jährige Berufsschullehrerin wurde 1991 in den Nationalrat gewählt. Zuvor sass sie im Gemeinderat der Stadt St. Gallen. Zwischen 2001 und 2004 präsidierte sie zudem die St. Galler Kantonalpartei der Grünen.

Im Nationalrat ist die abtretende Pia Hollenstein derzeit Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommissionen und der Kommissionen fĂĽr Verkehr und Fernmeldewesen.


Salzkorn
Der Frühling kommt, und Pia Hollenstein geht. Erklären will sich die grüne St. Galler Nationalrätin erst heute - aber mit Angst vor längeren Tagen oder einem heissen Sommer hat ihr Rücktritt sicher nichts zu tun. Die Frau weiss ganz einfach, was sie ihrer Partei schuldig ist.

Zwar wird den Grünen reihum steigende Wählergunst attestiert. Ein anziehendes Hoch ist aber längst kein Garant für eine langfristig stabile Wetterlage. Erst recht nicht bei den St. Galler Grünen - ihr Berner Mandat ist ein wackliger Sitz. Hätte Pia Hollenstein ihre vierte Amtsdauer ausgesessen, wäre das wohl das Ende der St. Galler Grünen in Bern gewesen.

Mit dem vorzeitigen Rücktritt verschafft Pia Hollenstein ihrem Nachfolger einen Startvorsprung. Ob die Flucht nach vorne erfolgreich endet, liegt nicht mehr in ihrer Hand. Immerhin: Vom Militär, mit dem Hollenstein nie viel anfangen konnte, hat sie wenigstens den Begriff Taktik verinnerlicht. Was von manchen männlichen Parteistrategen, die doch eine RS absolviert haben, nicht zu behaupten ist. S.L.


Die GrĂĽnen verlieren ihr Zugpferd

1991 wurde Pia Hollenstein in den Nationalrat gewählt – Im Sommer verlässt sie das nationale Politikparkett. Gestern kam der Fax – aber erst heute will Pia Hollenstein an einer Pressekonferenz ihren Rücktritt aus dem Nationalrat begründen. Auf ihrem Sitz nimmt ab dem 1. Juni Urs Bernhardsgrütter Platz. Klar ist: Die Grünen verlieren ihr Zugpferd.

Als die gelernte Krankenschwester 1991 in den Nationalrat gewählt wurde, rechneten viele mit einem vierjährigen Intermezzo. Und diese Rechnung wurde eigentlich vor jeder Nationalratswahl wieder aufgemacht.

Aussenseiterin mit Erfolg
Aber ihre politischen Gegner unterschätzten die hartnäckige und konfliktfreudige Politikerin, die im konservativen Kanton St. Gallen auf dem politischen Parkett gleich in zweifacher Hinsicht eine Aussenseiterin war – als Grüne und als Frau. Selbst als die SP einen dritten Nationalratssitz holte (und später wieder verlor), konnte sich Hollenstein durchsetzen. Politisierte die mittlerweile 55-Jährige in ihren Anfängen mit Verbissenheit, tritt sie nach so vielen erfolgreich geschlagenen Wahlschlachten längst selbstsicher und locker auf.

In Bern kann sie als Grüne zwar nicht auf den Rückhalt einer mächtigen Fraktion zählen, aber als Hinterbänklerin gilt sie deswegen nicht. Dafür macht sie zu viel von sich reden. Gerade aktuell wieder in der «SonntagsZeitung» – mit einem parlamentarischen Vorstoss natürlich. Im Nationalrat ist Hollenstein derzeit Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission und der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen.

Als gelernte Krankenschwester mischt sie sich in die Gesundheitspolitik ein, als Umweltpolitikerin vertritt sie die Verkehrsdossiers ihrer Partei, als Globalisierungskritikerin bekämpft sie das Davoser World Economic Forum WEF. Vor den letzten Wahlen charakterisierte sie unsere Zeitung deswegen als «die Ausdauersportlerin unter den Parlamentariern». Und das muss man nicht nur im übertragenen Sinn verstehen: Wenn man Pia Hollenstein mit einem Helm auf dem Kopf und in Kletterfinken sichtet, ist das nicht bloss ein Showelement – die Frau klettert wirklich.

Erfolgreiche Präsidentin
Auch in ihrem Heimatkanton hinterliess die linke Grüne ihre Spuren. Vor ihrer Wahl sass sie im Gemeinderat der Stadt St. Gallen. Und als sie 2004 nach drei Jahren als Kantonalparteipräsidentin zurücktrat, konnte sie auf erfolgreiche Kantonsratswahlen zurückblicken. Dass sich die bekennende Christin nicht mehr engagieren wird, damit ist auch nach ihrem Rücktritt kaum zu rechnen. Dazu passt auch die Ausbildung, welche die Berufsschullehrerin derzeit an der Uni Zürich absolviert: den Nachdiplomstudiengang «Master of Advanced Studies in Applied Ethics».
Andreas Fagetti  
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