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Einsatz für Menschen und Natur
erschienen im Anzeiger Nr. 43, 23. Oktober 2001

Pia Hollenstein ist in einer Grossfamilie auf dem Bauernhof aufgewachsen. Als junge Frau hat sie das einfache Leben weitab der Zivilisation kennen gelernt. Als Berufsfrau und Politikerin setzt sie sich fĂĽr die wesentlichen Dinge ein.

«zur Pflicht zu sterben?». Ein Beitrag im Sammelband stammt von Pia Hollenstein.Vehement setzt sie sich gegen die Legalisierung der Sterbehilfe ein, die in der Wintersession wieder vor den Nationalrat kommt. «Wenn Menschen in ihrer letzten Lebensphase gut gepflegt werden, entsteht erst gar nicht der Wunsch nach der aktiven Sterbehilfe», ist Pia Hollenstein aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Krankenpflege überzeugt. Studien belegen, dass der Sterbewunsch ein Hilfeschrei ist nach Schmerzstillung, Zuwendung, Verstandenwerden – eine Erfahrung, die auch Hollenstein in ihrer Arbeit immer wieder gemacht hat. Eine ihrer Hauptforderungen daher: Die Palliativpflege (der Todkranken) muss ausgebaut werden und auch in der Ausbildung von Ärzteschaft und Pflegepersonal besser berücksichtigt werden. «Sterben kann nicht geübt werden. Geübt werden kann aber Sterbebegleitung: Zuhören, Verstehen, Präsentsein, Unterstützung in der Sinnsuche, auch das Nichtverstehen zulassen.» Wer soll das bezahlen? «Ausländische Beispiele zeigen, dass Palliativmedizin nicht unbedingt teurer ist. Und selbst wenn dem so wäre, das muss es uns wert sein, Menschen in Würde sterben zu lassen.»

Wie geht Pia Hollenstein mit dem eigenen Tod um? «Man kann gar nicht Pflege ausüben, ohne sich mit der Vergänglichkeit des Lebens und dem eigenen Tod zu beschäftigen.» Diese bewusste Auseinandersetzung nimmt der 50-Jährigen – zumindest bis jetzt – die Angst vor dem Tod, wie sie sagt.

Dass sie sich als junge Frau für einen sozialen Beruf entschied, hat unter anderem mit ihrer Herkunft zu tun. Pia Hollenstein ist auf dem elterlichen Bauernhof im Alttoggenburg aufgewachsen, zusammen mit acht Geschwistern und als Zweitälteste nach einem Bruder. Die Grossmutter, immer anwesend, war eine wichtige Bezugsperson, die Kinderschar eine eingeschworene Clique, die zusammenhielt und Gemeinschaftsgefühl vermittelte. Heute lebt Pia Hollenstein allein – ein später Protest gegen diese Herkunft? «Nein, ich habe nur die sich mir bietenden Möglichkeiten nicht wahrgenommen, weil ich so viel mit meinem Leben vorhatte.» Sie hat Italienisch in Locarno gelernt und Englisch in England, sie hat nach dem Krankenschwesterndiplom eine Weiterbildung in Intensivpflege und Reanimation absolviert. Als 26-Jährige ging sie für drei Jahre nach Papua-Neuguinea. Im Busch leitete sie zusammen mit einer Kollegin ein Gesundheitszentrum. Die beiden Frauen versorgten die Kranken und liefen einmal im Monat zu Fuss in die Dörfer, um Babies zu impfen, Wunden zu säubern, Medikamente zu verteilen, Prävention zu leisten. Der nächste Arzt war eine Flugstunde entfernt. Ab und zu musste eine Frau mit Risikogeburt ausgeflogen werden. «Diese Jahre brachten eine ganz wichtige Lebenserfahrung, in einer anderen Kultur, weitab von der Zivilisation – Strom gab es nur drei Stunden am Abend. Der Lebensrhythmus war viel langsamer, gelassener, und dennoch fühlte ich mich näher am Leben als in Europa.» In dieser Zeit haben sich Werte verschoben für die Schweizerin, und als sie zurückkehrte, wunderte sie sich beispielsweise, wie viel in der Schweiz übers Essen geredet wird. Eine gute Erfahrung war für die Krankenschwester auch, mit welch geringen Mitteln man in der medizinischen Versorgung auskommen kann. Ein wenig von dieser Beschränkung aufs Notwendige hat sich Pia Hollenstein bis heute bewahrt. Sie besitzt weder Auto noch Fernseher, hat daher Zeit zum Lesen und ist in der Stadt bekannt als Velofahrerin in der bunten Strickjacke.

Bestätigt fand sie sich nach diesen Jahren im Busch übrigens auch in ihrem Engagement für eine gerechtere Welt. Nach der Rückkehr absolvierte sie neben ihrer Arbeit auf einer chirurgischen Intensivpflegestation einen vierjährigen Theologiekurs für Laien, wechselte anschliessend von der Pflege in die Lehrtätigkeit (als Berufsschullehrerin im Gesundheitswesen) und engagiert sich seither in der ökumenischen Friedensbewegung, im Tier- und Naturschutz.

Ihr politisches Erwachen datiert Pia Hollenstein auf ihren 20. Geburtstag. «An der Jungbürgerfeier realisierte ich, dass ich als Frau ohne Stimmrecht bin. Das war eine tiefe Verletzung für mich, und diese Ungleichheit erschien mir in keiner Weise gerechtfertigt.» Argumente für die politische Gleichstellung hatte sie schon während ihrer Lehrlingszeit zu sammeln begonnen, nicht zuletzt auch gegen den Vater, der gegen das Frauenstimmrecht war. «Meine Pubertät entzündete sich zu einem guten Teil an diesem Thema», sagt sie heute lachend. Als sie dann in den späten 80er-Jahren von den Grünen der Stadt St. Gallen umworben wird, lässt sie sich auf die Liste für den Gemeinderat setzen und wird gegen ihre anfänglichen Erwartungen gewählt. Den Erfolg führt sie nicht zuletzt auf ihre CVP-Wurzeln zurück. Der Vater war jahrzehntelang CVP-Gemeinderat in Mosnang. Sie selbst hat sich für die Grünen entschieden, weil diese die von den anderen vernachlässigten Themen aufgriffen. «Eine Mitgliedschaft in der CVP könnte ich mir erst dann überlegen, wenn diese Partei die christlichen Werte, die sie zu vertreten vorgibt, auch wirklich leben und verwirklichen würde», sagt sie jenen, die finden, sie sei in der falschen Partei.

Bei aller Kritik steht Pia Hollenstein zu ihrer Herkunft. «Meine katholische Erziehung hatte nebst Einengung und Drohpädagogik auch und vor allem etwas sehr Befreiendes. Ich hatte aus dem spĂĽrbar gelebten Glauben meiner Eltern frĂĽh erfahren, dass wir fĂĽr unser Tun zwar die Verantwortung tragen, dass aber die Machbarkeit nicht allein in unseren Händen liegt. FĂĽr dieses mir geschenkte Urvertrauen bin ich noch heute dankbar.» Dieses Urvertrauen hilft in allen Lebensbereichen. Ihren Lehrberuf hat sie seit der Wahl in den Nationalrat (ĂĽbrigens als erste GrĂĽne des Kantons St. Gallen) auf 40 Prozent reduziert, um genĂĽgend Zeit fĂĽrs politische Mandat zu haben. Seit sieben Jahren ist sie Mitglied der Kommission fĂĽr Verkehr und Fernmeldewesen. Immer wieder setzt sie sich aber auch fĂĽr die anderen grĂĽnen Themen ein – und ihrem Background entsprechend besonders fĂĽr Menschenrechte und Gesundheitswesen. Da spricht sie dann gerne vom Pflegepersonalnotstand: «Mit den Fortschritten in der Medizin sind die Anforderungen an die Pflege so stark gestiegen und hat der Stress im Praxisalltag dermassen zugenommen, dass viele ausgebrannt das Handtuch werfen. Zumal auch die Löhne, verglichen etwa mit anderen Berufen, wie etwa der Polizei, zu niedrig sind.» Neben langen Arbeitszeiten sei die Hierarchie im Spital ein weiterer Grund fĂĽr die Missstimmung des Pflegepersonals. «Obwohl Krankenpflege fĂĽr die Genesung eine hohe Bedeutung hat, wird sie von vielen Ă„rzten gering geschätzt, ebenso wie die wertvolle Komplementärmedizin», bedauert Pia Hollenstein. Klar, dass sie mit ihrem Hintergrundwissen bewusst gesund lebt, zwischen vielen Arbeitswochenenden auch mal eins ohne Aktenstudium einlegt zugunsten ihrer Hobbies Wandern und Klettern. Bis zum Schwierigkeitsgrad 6 ist sie mit dabei, ihr Urvertrauen kann sie auch am Berg gut brauchen.  
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